Eine IT-Strategie ohne Technologie-Blabla – geht das?_

IT ist kein Selbstzweck, doch die Zeiten, in denen EDV eine bloße Erfüllungsgehilfin für die effiziente Umsetzung analoger Geschäftsmodellen war, sind lange vorbei. IT rückt immer stärker in den Mittelpunkt von Geschäftsmodellen, und so muss die IT-Strategie eines Unternehmens untrennbar mit dessen Geschäftsmodell verbunden sein. In dem Maße, wie Geschäftsmodelle digital werden, muss die IT-Strategie Teil der Geschäftsstrategie werden.  

Nichtsdestotrotz lesen sich IT-Strategien nicht selten als reine Ansammlung von technologischen Trends und hochtrabenden Technikzielen, die alles modern und digital machen sollen. In die Cloud soll es gehen und irgendwas mit KI muss dabei sein. Auch die Daten und ihre Analyse sind furchtbar wichtig. Der Blabla-Faktor der IT-Strategien ist hoch, denn der konkrete Bezug zum Geschäftsmodell kommt zu kurz. 

SPAGAT ZWISCHEN ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT 

Aus unserer Erfahrung implizieren IT-Strategien oft einen nicht leicht zu überwindenden Spagat zwischen weit gesteckten technologischen Ansprüchen einerseits und dem tatsächlichen Reifegrad eines Unternehmens, diesem Anspruch überhaupt in einer geeigneten Weise gerecht zu werden, damit in absehbarer Zeit ein geschäftlicher Mehrwert entstehen kann und die Weichen für „Größeres“ gestellt werden. 

Die technologischen Ziele müssen ihre Verankerung im Geschäftsmodell finden und zwar konkret. Prominentes Thema: KI ist nicht deswegen gut, weil es KI ist oder weil es (zumindest gefühlt) alle machen. KI ist nur dann gut, wenn sich damit relevante fachliche Probleme effektiv lösen und Mehrwerte generieren lassen. Ein KI-gestützter, schlecht funktionierender Chat-Bot für Kunden ist zwar KI-gestützt, aber eben immer noch schlecht und somit schlimmstenfalls sogar geschäftsschädigend.  

UTOPISCHE VISIONEN, REALISTISCHER WEG 

Visionen dürfen ein bisschen utopisch sein – der Plan zur ihrer Erreichung und insbesondere die ersten Schritte sind es besser nicht. Zu jeder guten IT-Strategie gehört eine Einschätzung der Machbarkeit und ein zumindest grober Plan zur Umsetzung, der realistische Ziele und Umsetzungszeiträume definiert.  

Damit eine IT-Organisation nicht dem sprichwörtlichen Wolkenkuckucksheim nachjagt, ist eine ehrliche Standortbestimmung unerlässlich, die nicht nur den technologischen Stand (Technologie- und Applikationsportfolio, fachliche Bebauung, technische Schulden usw.) einschätzt, sondern auch den Reifegrad von Ablauf- und Aufbauorganisation. Die ersten Schritte zur Strategieumsetzung müssen ausgehend vom bestehenden Reifegrad gestaltet werden. Hilfreich kann die Gruppierung von strategisch relevanten Handlungsfeldern und Initiativen in vier Horizonte sein, die bei der initialen Einordnung von Umfang, Auswirkungen, Dauer und Kosten strategisch relevanter Handlungsfelder helfen.  

Die Kategorisierung ermöglicht eine Balance zwischen kurz- bis mittelfristigen Maßnahmen zur Sicherstellung von Effektivität und Effizienz („Exploit“) sowie dem mittel- bis langfristigen Aufbau strategischer Geschäftsfähigkeiten auf Basis innovativer Technologien („Explore“). 

Ohne Überlegungen zum konkreten, anwendungsfallbezogenen Einsatz innovativer Technologien und ohne Umsetzungsplan mit Machbarkeitseinschätzung sollte kein Unternehmen seine IT-Strategie formulieren.  

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